Staudämme | building dams
Sobald der Lehm zischen den Steinen fest ist, wird das Wasser den Weg um den Damm herum nehmen und schnell einen Teil der Wiese überfluten. Wir werden zusehen, aber immer wieder auch das Bauernhaus auf der anderen Seite beobachten. Ob sich was tut, ob er kommt.
Wieviel Wasser in so einen Bach geht. Und, dass das viele Wasser wieder in den Bach zurückkommt. Ich bin fünf, vielleicht sechs Jahre alt, habe zugeschaut wie meine großen Brüder und ihre Freunde den Staudamm gebaut haben und anschließend die Wiese überschwemmen.
Bach und Wiese gehörten einem Bauern, dessen Haus auf der anderen Seite der Wiese liegt. Wieviel Meter es bis dorthin sind, weiss ich nicht. Egal, wichtig nur, genügend Zeit zu haben, wenn wir ihn kommen sehen. Für uns bestand aber nie eine wirkliche Gefahr. Selbst ich, die ich viel jünger war als die anderen, schaffte es, rechtzeitig loszulaufen.
Der größte in unserer Strasse war Rolf. Er ist bestimmt acht Jahre älter als ich. Jedesmal, wenn es unsererseits Zeit ist, nimmt er meine Hand und rennt mit mir los. Ein bisschen ein mulmiges Gefühl blieb aber immer. Der Bauer hatte nicht nur zwei große Hunde, sondern auch ein Luftgewehr. Und ich hatte Angst hinzufallen. Oder, dass Rolf mal ohne mich wegrennen würde.
Einmal, ich weiss noch, dass es im Winter war, weil der Lehm gefroren war und schlecht abdichtete, passierte es dann. Die Jungs hatten es irgendwie geschafft, den Staudamm doch dicht zu bekommen und die Wiese gewässert. Vom Bauern auf der anderen Seite keine Spur.
Als wir uns umdrehten, um nachhause zu gehen, stand er da. Dass er uns einfach den Weg abschneiden konnte, daran hatte keiner gedacht. Nicht einmal Rolf. Der Bauer war zwar noch weit weg und ich sah auch kein Gewehr. Aber, auf die andere Seite rennen, konnten wir nicht. Da war sein Haus und die Hunde.
Es blieb nur der Weg in den Wald oberhalb der Wiese. Und so rannten sie alle los. Auch meine Brüder und Rolf. Ich blieb stehen. Der Bauer kam auf mich zu. Ich hatte Angst. So oft hatten wir diese Wiese unter Wasser gesetzt. Ich glaubte, es würde wie in den Karl-May-Filmen sein.
Da spürte ich Rolf hinter mir. Er war außer Atem. Nahm meine Hand und zog mich mit. Nach unten, Richtung Dorf. Die einzige Seite, an der ein Zaun war. Rolf hob mich hoch und wollte mich drüber schieben. Vorher drehte er sich aber nochmal um, sah den Bauern in die andere Richtung, zum Wald laufen. "Komm wir gehen nachhause, es ist alles gut; die anderen kriegt der nie", sagte er dann.
In den letzten Jahren habe ich oft zugesehen wie mein Sohn mit seinen Freunden Staudämme baut. Und an diese Geschichte gedacht. Ostern sprach ich mit meinen Bruder darüber. Er kann sich an die Wiese, den Bach und den Bauern erinnern. Aber nicht an den Tag im Winter. Auch nicht an das Gewehr. Rolf ist irgendwann weggezogen. Da war ich noch Kind.
Building dams tells the story of a five years old girl, who's much younger than her brothers and her brothers' friends. So she's only watching them building often dams in a ditch of a farmers piece of land in the neighborhood. Afterwards she's always fascinate to look the damed water run over the farmers grassland.
The farmer is absolutely angered about the dams on his ground. But each time he is trying to take the kids to task, they run away. Because the little girl needs help, Rolf, the eldest of her brothers friends, takes her by the hand in order to bolt. But one day in winter, Rolf didn't wait for her and followed the other kids. The girls takes fright, because she's persuading herself, that the farmer will bust her with a gun. But Rolf changed his mind, came back and ran away with the little girl.
Many years later, if she's watching her little son building dams with his friends, each time she's thinking of this day in winter, her fright and especially Rolf, who helped her to confide.
Wieviel Wasser in so einen Bach geht. Und, dass das viele Wasser wieder in den Bach zurückkommt. Ich bin fünf, vielleicht sechs Jahre alt, habe zugeschaut wie meine großen Brüder und ihre Freunde den Staudamm gebaut haben und anschließend die Wiese überschwemmen.
Bach und Wiese gehörten einem Bauern, dessen Haus auf der anderen Seite der Wiese liegt. Wieviel Meter es bis dorthin sind, weiss ich nicht. Egal, wichtig nur, genügend Zeit zu haben, wenn wir ihn kommen sehen. Für uns bestand aber nie eine wirkliche Gefahr. Selbst ich, die ich viel jünger war als die anderen, schaffte es, rechtzeitig loszulaufen.
Der größte in unserer Strasse war Rolf. Er ist bestimmt acht Jahre älter als ich. Jedesmal, wenn es unsererseits Zeit ist, nimmt er meine Hand und rennt mit mir los. Ein bisschen ein mulmiges Gefühl blieb aber immer. Der Bauer hatte nicht nur zwei große Hunde, sondern auch ein Luftgewehr. Und ich hatte Angst hinzufallen. Oder, dass Rolf mal ohne mich wegrennen würde.
Einmal, ich weiss noch, dass es im Winter war, weil der Lehm gefroren war und schlecht abdichtete, passierte es dann. Die Jungs hatten es irgendwie geschafft, den Staudamm doch dicht zu bekommen und die Wiese gewässert. Vom Bauern auf der anderen Seite keine Spur.
Als wir uns umdrehten, um nachhause zu gehen, stand er da. Dass er uns einfach den Weg abschneiden konnte, daran hatte keiner gedacht. Nicht einmal Rolf. Der Bauer war zwar noch weit weg und ich sah auch kein Gewehr. Aber, auf die andere Seite rennen, konnten wir nicht. Da war sein Haus und die Hunde.
Es blieb nur der Weg in den Wald oberhalb der Wiese. Und so rannten sie alle los. Auch meine Brüder und Rolf. Ich blieb stehen. Der Bauer kam auf mich zu. Ich hatte Angst. So oft hatten wir diese Wiese unter Wasser gesetzt. Ich glaubte, es würde wie in den Karl-May-Filmen sein.
Da spürte ich Rolf hinter mir. Er war außer Atem. Nahm meine Hand und zog mich mit. Nach unten, Richtung Dorf. Die einzige Seite, an der ein Zaun war. Rolf hob mich hoch und wollte mich drüber schieben. Vorher drehte er sich aber nochmal um, sah den Bauern in die andere Richtung, zum Wald laufen. "Komm wir gehen nachhause, es ist alles gut; die anderen kriegt der nie", sagte er dann.
In den letzten Jahren habe ich oft zugesehen wie mein Sohn mit seinen Freunden Staudämme baut. Und an diese Geschichte gedacht. Ostern sprach ich mit meinen Bruder darüber. Er kann sich an die Wiese, den Bach und den Bauern erinnern. Aber nicht an den Tag im Winter. Auch nicht an das Gewehr. Rolf ist irgendwann weggezogen. Da war ich noch Kind.
... IN ENGLISH
Building dams tells the story of a five years old girl, who's much younger than her brothers and her brothers' friends. So she's only watching them building often dams in a ditch of a farmers piece of land in the neighborhood. Afterwards she's always fascinate to look the damed water run over the farmers grassland.
The farmer is absolutely angered about the dams on his ground. But each time he is trying to take the kids to task, they run away. Because the little girl needs help, Rolf, the eldest of her brothers friends, takes her by the hand in order to bolt. But one day in winter, Rolf didn't wait for her and followed the other kids. The girls takes fright, because she's persuading herself, that the farmer will bust her with a gun. But Rolf changed his mind, came back and ran away with the little girl.
Many years later, if she's watching her little son building dams with his friends, each time she's thinking of this day in winter, her fright and especially Rolf, who helped her to confide.
Labels: Geschichten, Writing


